13-Wochen-Liquiditätsplan: So bauen Schweizer KMU ihn auf

Treppenkurve des Kontostands über 13 Wochen mit Untergrenze und tiefstem Punkt vor Weihnachten

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Von 100 Firmen, die in der Schweiz gegründet werden, ist nach fünf Jahren noch rund die Hälfte aktiv. Das zeigt die Unternehmensdemografie des Bundesamts für Statistik. Die Statistik nennt keine Gründe. Wer Unternehmen von innen kennt, weiss, dass am Ende selten das Produkt aufgibt, sondern die Kasse.

Ein Unternehmen geht nicht an einem schlechten Jahr zugrunde. Es geht an einem Zahlungstermin zugrunde, an dem das Geld nicht reicht. Diesen Termin kann man kommen sehen, und zwar Wochen im Voraus. Das Werkzeug dafür heisst 13-Wochen-Liquiditätsplan. Es ist unspektakulär, braucht keine neue Software und lässt sich in einem Nachmittag aufsetzen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein 13-Wochen-Liquiditätsplan zeigt Woche für Woche, wie viel Geld auf dem Konto sein wird, und damit den tiefsten Punkt der nächsten drei Monate.
  • Der Monatsplan versteckt Engpässe, weil in der Schweiz grosse Zahlungen an festen Tagen fällig werden: Löhne, AHV-Beiträge, Mehrwertsteuer.
  • Der Plan rechnet mit Zahlungen, nicht mit Aufwand und Ertrag. Kundenzahlungen werden so eingesetzt, wie die Kunden tatsächlich zahlen, nicht nach Fälligkeit.
  • Wirksam wird er erst mit festem Rhythmus: jede Woche aktualisieren, jede Woche die letzte Prognose mit dem Ist vergleichen.

Warum der Monatsplan den Engpass versteckt

Die meisten KMU planen Liquidität, wenn überhaupt, auf Monatsbasis. Einnahmen des Monats, Ausgaben des Monats, Saldo. Wenn die Zahl am Ende positiv ist, gilt der Monat als gesichert.

Das Problem liegt im Monat selbst. Die Löhne gehen um den 25. hinaus, die Kundenzahlungen kommen verteilt oder gehäuft zum Monatsende. Dazwischen kann das Konto tief ins Minus rutschen, obwohl der Monat mit einem Plus abschliesst. Der Monatsplan zeigt den Anfang und das Ende einer Strecke, aber nicht das Tal dazwischen.

Ein Beispiel mit gerundeten Zahlen: Ein Schweizer KMU mit rund 40 Mitarbeitenden plant für Dezember ein Plus von CHF 60’000. Der Wochenplan zeigt für die Woche vor Weihnachten einen Tiefpunkt von minus CHF 180’000. Dezemberlohn und 13. Monatslohn gehen am 20. hinaus, die grossen Kundenzahlungen kommen erst in den letzten Tagen des Jahres. Die Kreditlimite reicht knapp nicht. Wer das im Oktober sieht, hat Zeit für eine Lösung. Wer es am 18. Dezember sieht, hat keine mehr.

Der Schweizer Zahlungskalender

Ein Teil der Abflüsse ist nicht verhandelbar und kalendarisch fix. Genau diese Termine gehören als Erstes in den 13-Wochen-Liquiditätsplan:

Zahlung Wann Grundlage
Löhne monatlich, meist um den 25. Arbeitsvertrag
13. Monatslohn meist im Dezember, teils halb im Juni Arbeitsvertrag, sofern vereinbart
AHV/IV/EO/ALV-Beiträge innert 10 Tagen nach der Zahlungsperiode, monatlich oder bei einer Lohnsumme bis CHF 200’000 vierteljährlich Art. 34 AHVV
Mehrwertsteuer innert 60 Tagen nach Ende der Abrechnungsperiode Art. 71 und 86 MWSTG
Miete, Leasing, Zinsen nach Vertrag, oft monatlich oder quartalsweise im Voraus Vertrag

Die Mehrwertsteuer verdient besondere Aufmerksamkeit. Sie ist Geld der Kunden, das nur vorübergehend auf dem Firmenkonto liegt, und sie wird in einer Summe fällig. Für das dritte Quartal endet die Frist Ende November, für das vierte Ende Februar. Beide Termine fallen in Monate, in denen ohnehin viel abfliesst.

So ist ein 13-Wochen-Liquiditätsplan aufgebaut

Der Plan ist eine Tabelle mit 13 Spalten, eine pro Woche. Dreizehn Wochen sind ein Quartal: lang genug, um die nächste Mehrwertsteuer und den nächsten Monatswechsel zu sehen, kurz genug, um verlässlich zu schätzen.

Die Zeilen folgen dem Geld, nicht der Buchhaltung:

  • Anfangsbestand aus dem E-Banking, nicht aus der Buchhaltung, die immer ein paar Tage hinterherläuft.
  • Einzahlungen aus offenen Rechnungen, eingesetzt nach dem tatsächlichen Zahlungsverhalten des Kunden.
  • Fixe Auszahlungen nach dem Zahlungskalender: Löhne, Sozialversicherungen, Mehrwertsteuer, Miete.
  • Übrige Auszahlungen: Lieferanten nach Fälligkeit, dazu Investitionen, Darlehen und Ausschüttungen.
  • Endbestand je Woche und darunter die Kreditlimite. Die Differenz ist der Spielraum.

Wichtig ist, was fehlt: Abschreibungen, Rückstellungen und Abgrenzungen. Sie verändern den Gewinn, aber nicht das Konto. Warum beides so weit auseinanderlaufen kann, beschreibt der Beitrag Gewinn ist nicht Liquidität.

Vier Schritte zum ersten Plan

Wenn ich in ein Unternehmen komme, frage ich nicht zuerst nach dem Budget, sondern nach dem tiefsten Kontostand der nächsten drei Monate. Die Antwort ist fast nie sofort da. Mit diesen vier Schritten ist sie es nach einem Nachmittag:

  1. Bankbestand von heute eintragen.Alle Konten zusammen, in Franken, Fremdwährungskonten zum aktuellen Kurs.
  2. Den Zahlungskalender setzen.Löhne, AHV, Mehrwertsteuer und Miete für 13 Wochen eintragen. Diese Zeilen stimmen fast immer.
  3. Einzahlungen ehrlich schätzen.Die offene Debitorenliste nehmen und jeden grossen Kunden dort einsetzen, wo er erfahrungsgemäss zahlt. Wer mit 30 Tagen Zahlungsziel regelmässig nach 50 Tagen zahlt, gehört sieben Wochen nach Rechnungsdatum in den Plan, nicht vier.
  4. Eine Untergrenze festlegen.Welcher Kontostand darf nie unterschritten werden? Ein Monatslohn plus die nächste Mehrwertsteuer ist ein brauchbarer Anfang.

Praxis-Tipp: Schauen Sie nicht auf den Endbestand in Woche 13, sondern auf den tiefsten Punkt dazwischen. Er entscheidet, ob Sie handeln müssen, und wie viel Zeit Ihnen dafür bleibt.

Ohne Rhythmus veraltet jeder Plan

Ein 13-Wochen-Liquiditätsplan ist nach einer Woche alt. Deshalb wird er jede Woche am selben Tag fortgeschrieben: Die vergangene Woche fällt weg, eine neue kommt hinten dazu. Das dauert eine halbe Stunde, wenn die Daten aus Bank und Buchhaltung bereitliegen.

Der zweite Teil der halben Stunde ist der wichtigere: der Vergleich der Prognose von letzter Woche mit dem, was tatsächlich eingetroffen ist. Wer das über ein paar Wochen macht, lernt, welche Kunden sich verschätzen lassen und welche Zeilen immer zu optimistisch sind. Der Plan wird dadurch nicht perfekt, aber ehrlich.

Für den Verwaltungsrat genügt eine Seite pro Monat: tiefster Punkt der nächsten 13 Wochen, Abstand zur Untergrenze, beschlossene Massnahmen. Das Obligationenrecht ist hier seit 2023 ausdrücklich: «Der Verwaltungsrat überwacht die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft» (Art. 725 OR). Diese Seite ist die einfachste Form, ihr nachzukommen.

Liegt der tiefste Punkt unter der Untergrenze, gibt es nur eine Reihenfolge: zuerst die eigenen Hebel ziehen, also Rechnungen früher stellen, Mahnungen straffen, Bestellungen verschieben, dann mit der Bank reden. Mit einem Plan in der Hand wird das ein anderes Gespräch als ohne. Wer den Plan nicht selbst führen will, kann ihn auslagern. Im Rahmen von CFO as a Service gehört er bei uns zur Grundausstattung.

Häufige Fragen

Was ist ein 13-Wochen-Liquiditätsplan?

Eine wöchentliche Vorschau der Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge für die nächsten dreizehn Wochen. Sie zeigt für jede Woche den erwarteten Kontostand und damit, wann das Geld knapp wird, lange bevor es auf dem Konto sichtbar ist.

Reicht dafür Excel?

Ja. Für ein KMU genügt eine Tabelle mit dreizehn Spalten. Entscheidend ist nicht das Werkzeug, sondern dass der Plan jede Woche fortgeschrieben und mit dem Ist verglichen wird.

Wie viel Liquiditätsreserve braucht ein KMU?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Ein brauchbarer Anfang ist eine Untergrenze aus einem Monatslohn plus der nächsten Mehrwertsteuerzahlung. Der 13-Wochen-Plan zeigt dann, ob diese Grenze in den kommenden Wochen hält.

Der tiefste Punkt der nächsten drei Monate ist keine Überraschung. Man muss ihn nur ausrechnen.

Wenn Sie wissen möchten, wo er in Ihrem Unternehmen liegt, rechnen wir ihn gerne einmal gemeinsam durch.

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Quellen: Bundesamt für Statistik, Statistik der Unternehmensdemografie (Medienmitteilung Dezember 2025) · Obligationenrecht, Art. 725 · Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV), Art. 34 · Bundesgesetz über die Mehrwertsteuer (MWSTG), Art. 71 und 86